© ellisia - Fotolia.comBeobachtet man die bezüglich von Krankheiten verwendeten Begriffe im derzeitigen Sprachgebrauch, so findet man allzu oft kriegerische Worte. Der Kampf gegen den Krebs wird verloren, Killerzellen sind im Anmarsch und so weiter.

Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass in der Begegnung mit Heilsuchenden vor allem Angst, Erstarrung und Ratlosigkeit vorherrscht. Ohne Empathie und Einfühlsamkeit überbrachte Diagnosen versetzen Patienten in Panik und aktivieren als Reaktion Flucht oder Erstarrung. Der Selbstheilung geben wir damit kaum Raum.

Dazu kommt noch unsere konditionierte Untertänigkeit vor den „Göttern in weiß“. Und ohne uns dessen bewusst zu werden, geben wir unsere Verantwortung für unser Wohlergehen an unseren Arzt oder Therapeuten ab, als ob wir nicht damit zu tun hätten. Jetzt sollen dann diese für unsere Gesundheit sorgen. Diese wiederum haben aber genau davor Angst, denn in der Endkonsequenz machen wir sie dann auch noch dafür verantwortlich, wenn etwas nicht klappt, und überschütten sie mit Klagen und anderen unangenehmen Rechtsfolgen, als ob diese jemals die Verantwortung für uns übernehmen könnten. Aus dieser Angst heraus wird versucht immer früher Dinge zu erkennen, um dann rechtzeitig eingreifen zu können. Dass dies jedoch zu noch mehr Angst führt, und es dabei auch all zu oft zu Fehldiagnosen kommt, oder die Untersuchungen selbst wieder ungesunde Prozesse starten, übersehen wir allzu oft.

Jede Diagnose ist jedoch lediglich eine Momentaufnahme der aktuellen Situation, die sich selbst allerdings fortlaufend und ständig, und nicht zuletzt auch durch die Diagnose selbst bereits verändert. Sie ist auch nur das schriftliche Festhalten jenes kleinen Ausschnittes des Gesamtbildes, welches eben auf Grund der fachlichen Spezialisierung des Betrachters beobachtet wird. Niemals ist es aber ein Gesamtbild im holistischen Sinne. Und jede Diagnose, egal von wem erstellt, bleibt immer auch auf jene Erfahrungswerte eingeschränkt, welche dem Betrachter bzw. Ersteller vorliegen.

Damit ist jede Diagnose zwar nicht unwichtig, sie bleibt aber immer eine überaus  subjektive Momentaufnahme. Wir sollten demnach die Wertigkeit, die wir jeglicher Diagnose geben überprüfen. Das Einholen mehrerer Meinungen aus mehreren Sichtweisen scheint ein besserer Ratgeber zu sein, als sein eigenes Leben von einer subjektiven Momentaufnahme abhängig zu machen.

Wir dürfen dabei alle dabei lernen. Wir als Patienten, die Verantwortung nicht abzugeben, und diese wieder in die eigenen Hand zu nehmen. Letztlich sind wir es, die Leid, Schmerz oder auch Gesundheit selbst durchleben müssen. Warum sollte dann jemand anderer darüber entscheiden? Ratgeber hinzuziehen – keine Frage. Aber es sollten dann auch Rat-Geber bleiben. Die Entscheidung selbst dürfen wir aber immer wieder in die eigene Hand nehmen.

Und wir als Ansprechperson, Therapeuten und Ärzte dürfen auch lernen. Jedes Wort hat seine Wirkung. Einmal ausgesprochen, hat es bereits seine Wirkung getan. Es kann nicht mehr zurückgenommen werden. Und jeder von uns weiß, dass wir im Laufe unseres Lebens Vieles, das wir irgendwann als absolute Wahrheit betrachtet haben, mit unserem sich weiter entwickelnden Bewusstsein und den dadurch neu einströmenden Erfahrungen als nicht mehr in der Form gültig erachten können. Wie heißt es so schön: Die Wahrheiten von heute sind die Lügen von morgen.

In der Bewusstheit dessen, sollten wir unsere Worte weise wählen. Formulierungen wie: „Aus meiner subjektiven Sicht scheint es sich um XY zu handeln..“, „Auf Grund meines sicher fachlich eingeschränkten Blickwinkels gehe ich davon aus, dass es sich um XY handelt...“ würden einen Freiraum im Heilsuchenden bilden. Jenen Freiraum, welcher weniger Ängste schürt, und der Selbstverantwortung wieder Platz gibt. Dieser Freiraum ist es dann auch, welchem der Selbstheilung Platz einräumt, und damit sicher jedem Heilverlauf nützlich dient.

Ängste zu erkennen, und diese behutsam mit erweitertem Wissen und mehr Bewusstsein und dem Verständnis unseres Wunders Mensch aufzulösen, ist meines Erachtens nach die Hauptaufgabe eines zukunftsweisenden Begleiters und Ratgebers.

 Dies ist mein Verständnis, mein fortlaufender Lernprozess und mein Anspruch an mich selbst als Heiler. Insoweit verstehe ich heute mehr, warum ich auch eines meiner eigenen Seminare „Raus aus der Angst – rein ins Leben“ benannt habe.